DOAG Datenbank Kolumne: Wissen teilen, anstatt es für sich zu behalten – warum ich Vorträge halte und blogge

  • Erstellt von Birgit Arndt
  • Datenbank Kolumne, Konferenz + Ausstellung, Datenbank

Früher dachte ich, Wissen sei etwas, das man besser für sich behält. So habe ich es auch in der Praxis erlebt – in den Teams, in denen ich gearbeitet habe und in denen meine "Ausbildung" zur DBA begann.

Nicht jede Person teilte ihr Wissen bereitwillig. Dadurch glaubten viele, dass Wissen Sicherheit bedeutet: Wer etwas weiß, wird gebraucht – und man meint, unersetzbar zu sein. So zumindest die Logik. Dieses Denken ist im technischen Umfeld oft verbreitet, auch im Datenbankumfeld. Meist nicht aus Egoismus, sondern aus menschlichen Gründen wie Zeitmangel, Unsicherheit oder der Angst, sich selbst überflüssig zu machen. Und so dachte und fühlte ich lange Zeit ebenfalls.

Heute sehe ich das anders. Nicht, weil ich plötzlich alles weiß – sondern gerade, weil ich es nicht weiß.

Warum ich angefangen habe, mein Wissen zu teilen

Der Wechsel meines Denkens begann nicht mit einem Erfolgserlebnis. Ganz im Gegenteil: Ich hielt einen Vortrag zu einem Themengebiet, in das ich mich erst eingearbeitet hatte. Vorbereitung ja – echte Sicherheit bei dem Thema? Nein.
Als die Fragen kamen, merkte ich schnell, wie groß meine Lücken waren. Viele Fragen konnte ich nicht beantworten. Das war keine ermutigende Erfahrung, sondern es fühlte sich schlicht unangenehm an. Für mich war das kein souveräner Auftritt, sondern eher das Gefühl, zu scheitern – und zwar sehr öffentlich. Damals empfand ich diese Situation eindeutig als Misserfolg. Ich hatte das Gefühl, für öffentliche Vorträge noch nicht gut genug gerüstet zu sein. Nicht genug zu wissen. Mich überschätzt zu haben. Erst mit zeitlichem Abstand wurde mir klar, dass genau diese Erfahrung etwas in mir verändert hat. Denn mir wurde bewusst, dass Wissen kein abgeschlossener Zustand ist. Gerade in der Datenbankwelt nicht. Lernen ist selten geradlinig, von vielen Wiederholungen begleitet und von den bereits gemachten Erfahrungen abhängig.

Vorträge halten und Blogs schreiben als Denkprozess

Einen Blogpost oder eine Kolumne zu schreiben oder einen Vortrag vorzubereiten bedeutet für mich heute nicht mehr "Wissen abzuliefern". Es ist auch Teil meines eigenen Lernprozesses. Wenn ich einen Blogpost oder einen Vortrag vorbereite, merke ich schnell, wo ich mein Wissen noch nachschärfen sollte. Das Vorbereiten zeigt mir deutlich, was ich verstanden habe, und was nicht. Gerade in der Datenbankwelt gibt es selten einfache Antworten. Viele Dinge sind kontextabhängig, viele "Best Practices" funktionieren nur unter bestimmten Voraussetzungen. Solche Themen darzustellen, egal ob als Blogpost oder als Vortrag, finde ich hilfreicher, anstatt fertige Lösungen zu präsentieren.

Community hat das möglich gemacht

Ohne Community hätte ich diesen Blickwechsel, denke ich, nicht vollzogen. Veranstaltungen wie die der DOAG haben mir gezeigt, wie viel entsteht, wenn Wissen offen geteilt wird - unabhängig davon, ob es perfekt oder vollständig ist. Viele der wertvollsten Wissenstransfers entstehen nicht in den Sessions, sondern im Gespräch danach. Wenn klar wird: Niemand hat alle Antworten. Aber zusammen kommt man der Antwort schon sehr nah.
Das ist für mich der Kern einer Community.

Fazit & Aufruf: Mut zum Teilen

Hätte man mich damals gefragt, ob ich mich "bereit" fühle, einen Vortrag einzureichen, hätte ich vermutlich gezögert. Heute weiß ich: Bereit fühlt man sich selten. Man wird es erst durchs Tun. Ich halte heute Vorträge und schreibe Blogposts nicht, weil ich glaube, alles zu wissen. Ich tue es, weil ich glaube, dass Wissen wächst, wenn man es teilt. Genau deshalb möchte ich zum Schluss ermutigen: Wer gerade überlegt, einen Vortrag einzureichen, aber noch zweifelt: Diese Zweifel gehören dazu. Perfektion ist keine Voraussetzung, Neugier, Erfahrung und Freude reichen völlig aus.

Der noch bis zum 8. Juni geöffnete Call for Papers für die DOAG Anwenderkonferenz im November ist eine gute Gelegenheit, genau diesen Schritt zu gehen. Ich kann nur sagen: Es lohnt sich.

Birgit Arndt

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